2nd Ghana Teil 7+8

Teil 7 – Donnerstag, 20. September

Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter uns. Heute ist der letzte Arbeitstag. In einer Stunde wird Manfred die Tueren des PC-Labs hinter sich schliessen.

Die Ausbildung der Schueler und der Mitarbeiter im Computer Lab stand im Mittelpunkt dieser Woche und ging mit grossen Schritten voran. Jeweils zwei Schueler sind jetzt in der Lage, die Verantwortung in den drei Computerraeumen zu uebernehmen. Sie sind gut vorbereitet auf Probleme von Hard- und Software und sind angewiesen, peinlichst darauf zu achten, dass keine privaten CDs oder Sticks verwendet werden. Schiesslich sollen die PCs nicht in kuerzester Zeit “verseucht” werden. So kann Manfred beruhigt sein Projekt beenden und sich fuer dieses Mal von der Schule verabschieden.

Gestern Abend ueberraschte uns eine Gruppe Lehrer und eine Lehrerin im Hotel. Es war ihnen ein Beduerfnis, uns im kleinen Rahmen zu danken und uns Geschenke zu ueberreichen. Diese Geste hat uns sehr gefreut und zutiefst beruehrt.

Jetzt ruesten wir uns fuer die offizielle Verabschiedung durch die Headmaster. Ich klappe den Laptop zu, schicke heute abend die letzten Meldungen in die Heimat, sage adieu und melde mich wieder, wenn wir wohlbehalten wieder zuhause in Mainz sind.

In der Zwischenzeit tauchen wir ab – ein paar Tage in einem kleinen Beach Resort in der Naehe von Axim soll unseren Ghana-Aufenthalt abschliessen.

Teil 8 – letzter Teil – Freitag, 28. September

Teil 7 meines Tagebuchs konnte ich leider nicht mehr abschicken, denn ausgerechnet in letzter Minute fiel im ganzen District von Cape Coast der Strom und damit das Internet aus. Spaeter hatte ich keine Moeglichkeit, ins Internet zu kommen, so dass ich mich erst heute nach unserer Rueckkehr nach Mainz wieder melden kann.

Fuer die letzten Tage unseres Ghana-Aufenthalts haben wir uns das viel gepriesene Ankobra-Beach Resort ausgesucht. Laut Reisefuehrer gehoert dieses Fleckchen Erde zu den schoensten Urlaubsorten in ganz Westakrika. Ein Hinweisschild an der Strasse lautete: “You are welcome to Ankobra Beach – where Africa meets the world”. Voller Erwartung hielten wir mit unserem Bus am Eingang der Anlage und hatten den Eindruck, am falschen Platz zu sein, denn . . . es war nicht die Anlage, die wir uns erhofft hatten, naemlich ein kleines bisschen Luxus nach all den Entbehrungen – vielleicht ein Swimmingpool, gepolsterte Liegen, eine Bar am Strand, dezente Musik – so, wie wir es an anderen Beach Resorts in Ghana erlebt hatten. Also, das gab es hier alles nicht – aber auf die erste Enttaeuschung folgte ein Aha-Erlebnis. Wir hatten den schoensten Strand vor Augen, den man sich denken kann, weisser Sand, tosende Wellen, riesige Kokospalmen – Natur pur! Wir haben uns sofort in dieses Urlaubsparadies verliebt. Wir logierten in einem sehr geschmackvoll eingerichteten Doppelbungalow, der eine zum Wohnen und Schlafen mit einem ueberdimensionalen Bett, mit Moskitonetz, Deckenventilator und schummrigem Licht, der andere war das geraeumige Badezimmer mit heller Beleuchtung. Ohne Auszupacken sind wir sofort an den menschenleeren Strand gelaufen, haben einen ueberdachten Sitzplatz eingenommen und die Seele baumeln lassen – ein Ort zum Traeumen, Erholen, Entspannen, zur inneren Ruhe kommen – wie wohltuend! In die Fluten sind wir nicht gesprungen, die Wellen schlugen recht heftig auf und verursachten eine enorme Strömung und einen unberechenbaren Sog. Da zogen wir lange Strandspaziergaenge mit Muschelsuchen oder Fotografieren vor.

Manfred hatte sein Reisenecessaire samt Inhalt im Hotel Kokodo in Cape Coast liegenlassen. Also machten wir uns auf die Suche nach Zahnpasta und Rasierer. Der naechste Ort Axim sollte laut Auskunft zu Fuss am Strand entlang gut zu erreichen sein. Nach einer Stunde Marsch sind wir im einem Fischerdorf gelandet, von Axim weit und breit noch keine Spur. Es blieb uns also nichts weiter uebrig, als hier in den kleinen Verkaufsbuden zwischen einem Kunterbunt an Esswaren und Gebrauchsgegenstaenden nach unserer “Kosmetik” zu suchen. Ploetzlich entdeckten wir Zahnbuersten – also duerfte Zahnpasta nicht weit entfernt sein. Wir naeherten uns dem Stand, und im Nu waren wir von einem Haufen Kinder und dann von Erwachsenen umringt. Alle waren eifrig bemueht, uns zu helfen – nur war niemand in dem Laden, den wir nach unseren Sachen fragen konnten. Die Kinder rannten los und kamen mit einer freundlich laechelnden Ghanaerin zurück mit tief schwarzer Hautfarbe, dazu ein pinkfarbenes bodenlanges Gewand und dazu ebenso pinkfarbene Lockenwickler in ihrem schwarzen Haar. Allein wegen des Anblicks und des Wesens dieser Frau hat sich der lange Weg gelohnt! Wir bekamen tatsaechlich Zahnpasta in leicht angemuddelten Plastiktuetchen und einen Rasierer, der zwar schlecht rasierte und mit dem sich Manfred gleich zwei Schmisse zulegte. Wie leicht sind wir doch gluecklich zu machen! Per Handschlag und mit vielem Winken wurden wir verabschiedet, und mit diesem lustigen Erlebnis traten wir unseren Heimweg durch das Dorf an, beobachteten die Fischer, die ihre Netzte flickten, ein saeuerlicher Geruch zeigte an, dass Ziegenkaese verarbeitet wurde, es wurde Waesche gewaschen, Kinder wurden eingeseift und mit Wasser uebergossen, und eine Frau wollte unbedingt, dass ich ihr meine Sandalen schenke.

Nachts konnte ich nicht gut schlafen – im Gegensatz zu Manfred –, und ich zaehlte die Naechte, die ich noch ueberstehen musste. Aber wenn ich dann morgens die Tuer oeffnete und von der kuehlen Meereslust umweht wurde, zaehlte ich die Tage, die ich noch hier bleiben konnte!

Was liegt naeher, als am Sonntag in die Kirche zu gehen. Mit unseren beiden jungen Reisefreundinnen aus Hamburg haben wir uns einen katholischen Gottesdienst in Axim ausgesucht. Angemerkt sei, dass sich 40 % der Bevoelkerung zum christlichen Glauben bekennt, davon 40 % Katholiken und 60 % Protestanten (Baseler Mission), eine Minderheit von 10 % ist islamischen Glaubens. Die Christen in Ghana stellen keine homogene Gemeinschaft dar, es gibt eine Vielzahl von grossen und kleinen Kirchen, Sekten, Gruppierungen und Strömungen.

Wir haben gut 2 1/2 Stunden dem Gottesdienst beigewohnt, kamen eine Stunde zu spaet und verliessen ihn, bevor er beendet war. In der letzten Reihe sitzend lauschten wir dem sehr wortgewandten Prediger, dessen Stimme auch waehrend eines kurzen Stromausfalls gut zu vernehmen war. Hoehepunkt fuer uns war natuerlich der mitreissende Gesang des Gospelchors – unterstuetzt durch Rhythmusinstrumente –, in den die Gemeinde stimmgewaltig einfiel. Hauptsaechlich die Frauen und Kinder waren es dann, die von ihren Sitzen aufsprangen und singend, tanzend, klatschend, lachend, Tuecher schwenkend ihren Glauben zum Ausdruck brachten. Ein Geschenk, so etwas einmal hautnah erleben zu duerfen!

Ich moechte nicht versaeumen, ueber die Anlage Ankobra Beach zu sprechen. Diese Ferienanlage wurde 1996 von dem Ghanaer Prof. Dr. Augustus Addae-Mensah und dem deutschen Manager Florian Wolfart (seinerzeit Studienkollegen in Muenchen) gegruendet. Sie soll als Katalysator wirken, um der Welt die Schoenheit und Anmut Afrikas zu zeigen. Der Verein der Freunde von Ankobra Beach hat das Ziel, Schul- und Berufsausbildung afrikanischer Kinder und Jugendlicher zu foerdern, sich um die medizinische und hygienische Versorgung und um die Rettung des Regenwaldes in Ghana zu kuemmern. Ein gluecklicher Zufall wollte es, dass wir eben diesen Prof. Dr. Addae-Mensah vor Ort getroffen und mit ihm ueber die Philosophie dieses Unternehmens diskutiert haben. Er konnte uns auch ueber die Krankheit der Kokospalmen aufklaeren, die auffaellig ohne ihr Laub und ohne Fruechte wie duenne Fabrikschornsteine in die Luft ragen. Es handelt sich um einen Virus, der die gesamte Kuestenlandschaft befallen hat – das Palmensterben ist nicht aufzuhalten. Inzwischen wurde eine resistente Palmenart entwickelt, die aber von der Regierung so teuer verkauft wird, dass es sich die Bauern nicht leisten koennen, diese Pflanzen zu kaufen.

Nach der Besichtigung des Huettendorfs Ankobra und des eleganten, hoch ueber den Klippen gelegenen Axim Beach Resorts bleibt noch ein besonderes Erlebnis: die Kanufahrt zu den Mangrovenwaeldern auf dem Ankobra-Fluss, wiederum mit Hille und Franzi aus Hamburg.

Mit zwei schweren, schmalen, tief im Waser liegenden Holzkanus ging die Fahrt von der Flussmuendung aus gegen den Strom in das Landinnere, an den unuebersehbar hohen und dichten Mangrovenwaeldern entlang, geschickt gelenkt von unseren beiden Bootsfuehrern, die am Ende der Kanus auf einem kleinen Brettchen sassen und angestrengt paddeln mussten, wobei Manfred tatkraeftig mitgeholfen hat. Man erzaehlte uns, dass es auf dem Fluss auch Krokodile und Flusspferde gibt, aber die wuerden sich erst nachmittags ab 5 Uhr zeigen – zum Glueck waren wir vormittags unterwegs! Die Zufahrt zu einem Dorf, unserem Ziel, war so schmal und ueberwachsen, dass man das Gefuehl hatte, durch einen belaubten Tunnel zu fahren. Die Mangroven waren zum Greifen nah, ebenso die unzaehligen Krebse in dem Ast- und Wurzelgewirr.

Von dem Dorf sahen wir nur zwei Haeuser auf Stelzen. Hier wurde mit wirklich primitivsten Mitteln Gin hergestellt – er schmeckte koestlich. Wir wurden – umgeben von gackernden und kratzenden Huehnern – mit Kokosmilch und Kokosfleich verwoehnt, – und dann Begann der Handel. Der Chief machte Hille einen Heiratsantrag – aber sie lehnte ab, sie sei schon vergeben, aber er koenne Franzi, ihre Freundin haben, muesse aber erst ihren Vater fragen. Der Preis sollten 200 Kokosnuesse sein, fuer Franzi jeden Tag eine Flasche Gin und einen neuen Ghana-Cedi. Wir hatten einen Riesenspass miteinander, machten viele Fotos und versprachen, diese auch ueber das Ankobra-Beach-Hotel zu schicken.

Bevor ich am letzten Abend ins Bett ging, hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art: eine richtig dicke fette Kakerlake flitzte durch den Raum und fluechtete, nachdem ich sie nicht erwischt hatte, ausgerechnet unter mein Bett. Manfred bat ich vergebens um Hilfe, er meinte nur, die war letzte Nacht schon da – aber davon hat er mir vorsichtshalber nichts erzaehlt. Irgendwann schlief ich dann doch ein – und die Kakerlake wahrscheinlich auch!

Damit beende ich das Tagebuch ueber unser zweites Abendteuer Ghana. Wir sind gesund und munter wieder in Mainz angekommen, unbeschadet von den verheerenden Unwettern im Norden Ghanas und der riesigen Gasexplosion am Tag unserer Abreise in Kumasi.

Wir freuen uns auf unser drittes Abenteuer Ghana im Jahr 2008!?!?

2nd Ghana Teil 6

Teil 6 – Montag , 17. September

Beglueckende Tage liegen hinter uns mit STROM STROM STROM und ohne REGEN REGEN REGEN. Der Unterricht mit den Schuelern war spannend und erfolgreich, voller Aufmerksamkeit und Wissbegierde, puenktlich und ausdauernd. Nur einmal vernahm Manfred ein ungewohntes Geraeusch hinter einem Bildschirm – ein Schueler war eingeschlafen und schnarchte laut und unbekuemmert vor sich hin – ein Zeichen fuer Manfred, auch mal eine kleine Pause einzulegen. Aber fuer alles gibt es ja eine Erklaerung: Die Schueler sind ueberaus bestrebt, einen guten und erfolgreichen Abschluss zu machen. Waehrend sie sich am spaeten Nachmittag etwas ausruhen, lernen sie bis spaet in die Nacht hinein. Von unserem Hotel aus koennen wir auf dem gegenueberliegenden Huegel die erleuchteten Fenster der Schule sehen, hinter denen die Schueler ihre Koepfe in die Buecher stecken oder zur Abwechslung auch mal in einen froehlichen, durch Klatschen begleiteten Gesang ausbrechen.

Am Ende dieser arbeitsreichen Woche, bei der die Stunden wie im Flug vergingen, mussten sich die Schueler einem von Manfred ausgeareiteten Test unterziehen. Das Ergebnis fiel ueberdurchschnittlich aus – ein gutes Zeugnis fuer Schueler und Lehrer – fragt sich, wer sich mehr darueber gefreut hat! Alle Schueler wurden mit einem Zertifikat ausgezeichnet. Die Uebergabe fand in Anwesenheit des Headmasters statt, der bei dieser Gelegenheit den Einsatz und die Arbeit von Manfred wuerdigte und den Wunsch aussprach, ihn im naechsten Jahr hier wieder zu sehen.

Samstag kein Ausflug – Samstag wurde gearbeitet! Manfred und Salomon haben einen Master-PC installiert, um von der Festplatte dieses Rechners Kopien fuer die Unterrichts-PCs herzustellen. Dazu muss die Windows-XP-Kopie lizensiert werden – doch dazu fehlte mal wieder das Internet in der Schule. Kurzerhand wurde der PC eingepackt und ins Internet-Café Ocean View geschleppt, um dort an das Netz angeschlossen zu werden. Natuerlich ist es hier nicht erlaubt, fremde PCs zu benutzen, natuerlich gab es Diskussionen – natuerlich kaum die Erlaubnis!!! Zum Glueck konnte die Lizenz freigeschaltet werden. Und inzwischen ist das Betriebssystem auf alle Festplatten kopiert. Wieder ein Schritt weiter – wenn auch auf Umwegen!

Entspannung gab es am Samstagabend in unserem Hotel nicht – eine Party der Universitaet mit 50 Personen war angesagt. In kurzer Zeit war der Garten festlich gestaltet. Das gesamte Personal war aufgeregt auf den Beinen, unter grossem Gelaechter wurden Tische und Stuehle ueber eine steile Treppe auf den Rasen geschleppt, Geschirr stapelte sich auf den bunten Tischdecken, verlockende Gerueche strömten aus der Kueche und die Musik spielte schon seit Stunden auf vollster Lautstaerke. Da heisst es nur Reissaus nehmen, moeglichst weit weg, und nicht so schnell wiederkommen! Gesagt – getan!

Als Ziel hatten wir uns das idyllisch am Meer gelegene und viel geruehmte Coconut Grove Beach Resort ausserhalb Elminas ausgesucht. Es war tiefdunkel, als wir aus dem Lichtkreis des Hotels heraustraten und am Strassenrand standen – die Taschenlampe war natuerlich nicht in der Abendtasche –, um ein Taxi anzuhalten. Hatte ich schon gedacht, wir haetten auf der Fahrt nach Kakum das klapprigste Taxi der Welt erwischt, wurden wir jetzt eines Besseren belehrt. Bei der Fahrt ueber normale Strassen klapperte das Auto schon so beaengstigend, dass ich – auf der Rueckbank sitzend – befuerchtete, dass das Auto nach und nach alle Einzelteile verlieren wuerde. Als es zum Schluss auch noch ueber eine unwegsame “Buckelpiste” ging, habe ich nur noch gebetet, nicht in der Finsternis liegen bleiben zu muessen. Ich habe die Luft angehalten – atmen konnte ich sowieso nicht, weil sich die Abgase im Innenraum des Taxis aufstauten. Und zum Schluss verlangte der Fahrer auch noch mehr Geld als vorher vereinbart war!

Schnell wurden wir ausgesoehnt. Eine weitlaeufige, elegante, ummauerte Hotelanlage oeffnete sich vor unseren Augen – das Extrem konnte nicht groesser sein! Wir hatten das Gefuehl, in eine Filmszene zu treten, als wir in das zum Meer hin offene Restaurant gefuehrt wurden, von zauberhaften Melodien einer ghanaischen Band empfangen. Traumhaft – auch das Essen, naemlich Lobster und Octopus, dazu Reis und Saucen und tief gekuehltes Bier. Ein Abend zum Traeumen! Das herbeigerufene Taxi war zum Glueck in einem tadellosen Zustand. Den Saxiphonisten nahmen wir bis nach Cape Coast mit zurueck. Damit hatte der Abend eine kleine Verlaengerung erhalten.

Diesen traumhaft schoenen Ort wollten wir am naechsten Tag bei Tageslicht am Beach geniessen – doch das Wetter spielte nicht mit, es war trueb, diesig, regnerisch, wir blieben lieber im Kokodo und vertieften uns Tee trinkend in unsere Buecher und liessen uns spaeter von der salzigen Meeresbrise an der Kueste von Cape Coast durchwehen. Ein neues Viertel der Stadt erkundeten wir, als mich Manfred ueberredete, nicht die Hauptstrasse zu nehmen, sondern durch das Fischerviertel zu streifen. Es war herrlich, dieses pralle Leben wahrzunehmen in dem Menschengewimmel, den Verkaufsstaenden, den vielen Angeboten von Fisch, Krabben, Lobstern und Muscheln, wir beobachten, wie Fufu gestampft, Ananas zerteilt oder Fische geschuppt wurden, ein Kind hockte schlafend in einem Plastikeimer, es wurde Waesche gewaschen und Geschirr ausgespuelt, es wurde erzaehlt, gestikuliert und gelacht, geschimpft und gesungen. Manfred liess sich auf Gespraeche ein, dabei gab es immer schallendes Gelaechter! Und damit waren wir reichlich ausgesoehnt – das Unternehmen Beach Resort war gar nicht mehr wichtig!

2nd Ghana Teil 3,4,5

Teil 3 – Mittwoch, 5. September

Doch erst einmal gibt es Regen, Regen, Regen, dazu heftige, lang andauernde Gewitter. Es ist grau und truebe. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist unsere Kleidung klamm, die Buchdeckel woelben sich, und ich habe ein wenig Luftprobleme. Es hat so heftig geregnet, dass nicht einmal das Kuechenpersonal an Land kam und wir lange auf unser Fruehstueck warten mussten. Mutig stapfte Manfred dann ueber das schlammige Sportfeld zur Schule. Auch dort trafen die Lehrer wegen der heftigen Regenschauer verspaetet ein – aber der Unterricht fand unter grossem Interesse statt – es gab tatsaechlich Strom!

Dienstag (ohne Strom, daher kein Unterricht) gab es nur ein Thema: die permanente Stromversorgung. Jede nur denkbare Moeglichkeit wurde wahrgenommen, das Vorhaben voran zu treiben.

Teil 4 – Montag, 10. September

Ich habe mir vorgenommen, erst wieder ueber das Thema “Strom” zu schreiben, bis eine akzeptable Loesung gefunden ist. . . . . . . . .

Schliesslich gebe ich ja nicht nur einen Bericht ueber Manfreds SES-Projekt zu Protokoll, sondern ich moechte auch von unseren privaten Erlebnissen berichten, um unsere Leser weiterhin neugierig auf dieses afrikanische Land zu machen.

Im suedlichen Teil Ghanas gibt es zwei Regenzeiten: zwischen April und Juni und im September/Oktober. Und da stecken wir so richtig drin mit allen seinen Merkmalen: Regen, Gewitter, “abstuerzende” Temperaturen bis auf 24 bis 26°C, sehr hohe Luftfeuchtigkeit bis zu 95 %, sehr schwuel. Dabei spuert man das Gefuehl von Frieren im Koerper und gleichzeitig laufen Schweissperlen ueber die Haut – es ist irritierend unangenehm! Und Manfreds ausgewaschene Joggingsocken brauchen etliche Tage, bis er sie wieder trocken anziehen kann!

Doch jetzt lassen wir erst einmal alle Unzulaenglichkeiten hinter uns und freuen uns auf unser bevorstehendes Wochenende.

Auf dem Accra-Takoradi Highway geht es an einem schoenen Kuestenabschnitt entlang nach Elmina – einem ueberaus quirligen Staedtchen, die aelteste Ansiedlung Ghanas ueberhaupt und der erste Ort des Landes, der von Europaeern besetzt wurde. Davon zeugt die maechtige Burg “Sao Joao Mina”, die von den Portugiesen als Stuetzpunkt fuer den Gold- und Elfenbeinhandel erbaut und nach der Eroberung durch die Hollaender fuer den Gold- und Sklavenhandel mit den Ashanti genutzt wurde.

Malerisch liegt die Stadt in der Edina-Bucht. Von unserer Unterkunft im Elmina Beach Resort – etwas ausserhalb gelegen – schlenderten wir in den Ort am Meer entlang, immer auf der Hut, denn die Bewohner nutzen den Strand als Open-air-Toilette. Wir beobachteten die Bootsbauer beim Neubau oder Reparieren von Fischerbooten, erstaunt ueber das einfache aber wirkungsvolle Arbeitsmaterial, entdeckten auf dem Boden ausgelegte Paletten mit Fischen, die in der Sonne trockneten und anschließend geraeuchert wurden, freuten uns ueber die froehlich schwatzenden Frauen und spielenden Kinder in einer Strandbar und tauchten dann unter im Gewimmel des kaum ueberschaubaren Fischereihafens mit dicht aneinandergeschobenen Fischerbooten. Es wurde angeboten, gehandelt, gekauft und in Schuesseln, auf dem Kopf balancierend, davongetragen. Dieses Stimmengewirr, diese Gerueche – sie werden eine bleibende Erinnerung sein.

Eine zweite, auf einem Huegel gelegene Burg praegt das Stadtbild von Elmina, die “Sao Jago da Mina. Sie wurde zu Verteidigungszwecken des Handelspostens gebaut, diente zweitweise als Gefaengnis und wurde nach dem Verbot des Sklavenhandels freiwillig von den Hollaendern fuer die Briten geraeumt. Von diesem Huegel aus hat man die schoenste Aussicht auf Elmina, seinen Hafen, das Gewirr der Haeuser, die Lagune und einen weiten Blick auf das Meer.

Der Himmel wurde grau und truebe, bedrohliche Wolken zogen auf, und wir ruhten auf dick gepolsterten Liegen, nur wenige Meter vom Strand entfernt, ganz entspannt, losgeloest von allen Gedanken und Problemen. Eine tiefe, wohltuende Ruhe kehrte ein. Die weiss-grau-gruen-blauen Farben des Meeres und des Himmels vermischten sich, nur die am Horizont vorbeiziehenden Fischerboote zeigten eine dunkle Trennungslinie an. . . . So gewappnet sahen wir der neuen Woche entgegen.

Teil 5 – Mittwoch, 12. September

Welch Gefuehl, wenn morgens die Sonne unsere Gesichter streichelt, bis tief ins Innere dringt ihre Waerme und kuendigt einen neuen Tag voller Erwartungen an. Und diese Sonne leuchtete auch den ganzen Tag in der Schule (zugegeben bis auf einige kleine Unterbrechungen) – auch den naechsten und den uebernaechsten Tag, also bis heute. Damit kann ich das Thema wieder aufnehmen: WIR HABEN STROM!!!!!

Was immer Manfred in diesem Projekt geschafft oder nicht geschafft hat – durch seinen unermuedlichen Einsatz hat die Schule eine permanente Stromzufuhr bekommen, von der in Cape Coast nur noch die Telefongesellschaft und die Radiostation profitieren.

Freundlich, mit Nachdruck, penetrant bis zur Peinlichkeit haben Manfred und Salomon dieses Ziel verfolgt. Waren die Arbeiter, wie versprochen, nicht zur verabredeten Zeit zur Stelle, hat Manfred den Headmaster fruehmorgens aus dem Haus geklingelt. Ein Anruf von ihm genuegte und die Mannschaft trabte zum Ausgraben des 10.000 Volt Kabels an. Fehlte noch die versprochene Crew der Elektriker vom E-Werk, die das neue Hochspannungskabel verlegen und anschliessen musste. Auch dort marschierte Manfred bis zum Direktor, der seine Leute ziemlich unsanft zusammenrief, waehrenddessen Manfred stur auf sie wartete und mit ihnen zusammen auf die Baustelle fuhr. Und dort hat er sich nicht vom Fleck geruehrt, bis er sicher war, dass die Arbeiten zu Ende gefuehrt wurden. Die Arbeiter haetten ihn am liebsten zum Teufel gewuenscht! Am naechsten Morgen beim Joggen hat sich Manfred bei der Power Plant Schaltzentrale vergewissert, dass die Umschaltung erfolgt ist. Es folgten noch zwei bange Tage mit unterschiedlichen Stromausfaellen, bis wir aufatmen konnten. Dennoch bangen wir jeden Morgen und koennen das hart erkaempfte Glueck kaum fassen.

Zum Wochenbeginn trafen die 1500 Schueler nach ihren Ferien wieder in der Schule ein. Der vereinsamte Campus fuellte sich wieder mit Leben, aus den Raeumen drangen ihre Stimmen, ihr Gelaechter, ihre Musik, sie schlenderten mit ihren orangefarbenen Hemden und khakifarbenen Hosen ueber das Schulgelaende, richteten sich in den Schlafraeumen ein oder warfen einen Blick in ihre alten Klassenraeume.

Nachdem die Ausbildung der Lehrer in der letzten Woche verkuerzt beendet werden konnte, schliesst sich diese Woche die geplante Ausbildung der Schueler an.

Der Versuch, dafuer 500 Seiten zu drucken, scheiterte. Der Drucker streikte wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit.

Manfred begann den Unterricht mit vorerst 11 ueberaus engagierten und motivierten Schuelern mit Theorie ueber Hardware und Technologie, dann Praxis an drei Arbeitstischen mit Hardware und PC-Teilen ohne Gehaeuse. Aufgabe der Schueler war, einen funktionierenden PC zusammenzubauen mit Floppy, Festplatte, Netzteil, Tastatur, Monitor und Grafikkarte. Nach Fertigstellung baute Manfred Fehler ein, die die Schueler suchen mussten. Das machte ihnen einen Heidenspass und sie waren mit Feuereifer und Schnelligkeit dabei. Manfred war gluecklich!

Als ein Netzteil in einem PC wegen Ueberspannung explodierte, gab es eine kleine Unterbrechung. Zum Glueck wurde das Mainboard nicht beschaedigt!

Noch einen Zwischenfall gab es an diesem Tag. Die Hauptgaszuleitung in der Kueche wurde gekappt – Taeter unbekannt –, so dass wir mit hungrigem Magen lange auf unser Mittagessen warten mussten. Aber wir haben uns inzwischen in Geduld geuebt und wissen, dass alles irgendwann und irgendwie klappt!

2nd Ghana Teil 2

Teil 2 – Montag, 3. September

Aufatmen am Freitagmorgen – es gab Strom, der Unterricht konnte stattfinden, mit 8 sehr engagierten Lehrern, der Rest der Lehrer hatte sich anscheinend bereits auf das Wochenende mit dem bevorstehenden Festival eingestellt! Am Nachmittag hakte Manfred mit seinem treu ergebenen Salomon beim E-Werk nach, um eine konstante Stromversorgung fuer die Mfantsipim School und damit fuer den IT-Unterricht zu gewaehrleisten. Meine Skepsis quittierte Manfred mit dem bekannten Satz: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Und damit begaben wir uns in das erste Wochenende unseres Ghana-Aufenthaltes.

Heftige, nicht enden wollende Regenschauer hielten uns von unserem geplanten Wochenendausflug ab – dafuer schleppte mich Manfred – bewaffnet mit Regenschirm, Regenjacke und festen Schuhen – zur Schule, checkte die Stromzu- und -ableitungen quer ueber den Campus bis ins Tal hinein und versuchte zu ergruenden, wo der Anschluss vom E-Werk an die Schule wohl wuerde stattfinden koennen. Oh, es war eine erhebende Lehrstunde fuer mich! Damit nicht genug. Bevor wir uns wieder in unser Kokodo fluechteten, erkundeten wir die Upperside dieser Gegend und verirrten uns schliesslich nach einem missglueckten Abstieg ueber rotes Felsgelaende im dichten, regennassen Buschwald – keine Sorge, wir fanden vor Einbruch der Dunkelheit zurueck!

Noch ein Highlight wurde uns an diesem Tag zuteil – das Cape Coast Festival. Ghanaer lieben das Feiern. Es gibt kaum ein Land in Westafrika, in dem es noch mehr Feste gibt. Wie ich gelesen habe, sind diese Feste jedoch keine Fixpunkte im Kalender, sondern werden jedes Jahr nach der Position des Mondes, nach Glueckstagen etc. von den Hohepriestern der jeweiligen Gebiete neu berechnet und verkuendet. Heute also das Festival in Cape Coast, ein “Erntedankfest” der Fischer. Die Strassen sind ueberfuellt mit vorwiegend jungen Menschen, in bunten lebendigen Farben gekleidet, und die jungen Maedchen zeigen recht ungeniert und offenherzig ihre Reize. Es gibt gutes Essen, reichlich Alkohol, viel und vor allem laute Musik und Tanz. Alles ist in Bewegung und wiegt sich im Rhytmus der Musik. Und wir mittendrin!

Der Regen begleitet uns weiterhin – auch am Sonntag – auch im Hanson Cottage Botel, 10 km von Cape Coast entfernt. Das idyllische schwimmende Hotel ist ein Refugium fuer Ruhe in der Natur, mitten in einer Dschungel-Oase. Das Gezwitscher von tausenden von Webervoegeln umgibt uns, und wir beobachten Krokodile am Ufer und im Wasser aus naechster Naehe. Fasziniert wollte ich ein Foto eines Webervogelnestes machen. Fixiert darauf achtete ich nicht auf meinen Weg – nur wenige Meter vor mir lungerte ein Krokodil. Durch Manfreds Zuruf wurde ich gewarnt. Das Foto des Nestes habe ich dann per Zoom geschossen! Von den angesagten Affen war weit und breit keine Spur. Dafuer stiessen wir bei unserem Abstecher durch den Busch- und Bambuswald unerwartet auf ein Gehege mit Straussen. Man will in Ghana eine Alternative zu Rindfleisch aufbauen. Inzwischen gibt es zwei Straussfarmen im Land. Eine arabische Legende erzaehlt, warum die Voegel nicht fliegen koennen: Einst wollten sie hoch hinauf zur Sonne fliegen. In ihrem Hochmut haben sie sich aber nur die Fluegel verbrannt und muessen seither zu Fuss gehen.

Heute nun der mit Spannung erwartete Montag. Stirbt die Hoffnung nun doch langsam? KEIN STROM! Kein Ansprechpartner, kein Headmaster, keine Ass. Headmaster vor Ort. Manfred und die Lehrer waren zutiefst enttaeuscht und frustriert. Also wurde ein Notfallplan aufgestellt: Salomon uebernahm die wichtigste Aufgabe, sich um das Versprechen des E-Werks zu kuemmern, die Stromversorgung sicherzustellen, und die Elektriker sollten die Zeit nutzen, die defekten Ventilatoren und Lampen auszuwechseln.

Am Nachmittag erfuellten Manfred und ich uns einen lang gehegten Wunsch, die Besichtigung des Kakum-Nationalparks – ein richtiges Abenteuer! Dieses 350 m² grosse Naturschutzgebiet liegt ca. 30 km von Cape Coast entfernt. Wir erreichten ihn in einem so klapperigen Taxi, dass wir befuerchteten, damit unser Ziel nicht zu erreichen.

In diesem Park gibt es den sensationellen Canopy Walkway, ein in Baumkronenhoehe an Seilen aufgehaengter Pfad. Es war fuer uns ein erhebendes Gefuehl, auf diesem Urwaldspaziergang in schwindelerregender Höhe auf schmalen Holzplanken, die mit Netzen gesichert sind, durch die gigantische Baumwelt des afrikanischen Dschungels zu laufen. Der Hoehenweg ist 350 m lang und fuehrt ueber sieben Haengebruecken, mitunter 40 m oberhalb des Erdbodens. Ein mulmiges Gefuehl wurde sofort beim Betreten der ersten schwebenden Haengebruecke verbannt!

Besonders interessant war der anschliessende Lehrpfad durch den Regenwald mit sachkundigen Erlaeuterungen durch eine Fuehrerin, die uns auf seltene Pflanzen und Baeume und deren Verwendung aufmerksam machte – in der Holzverarbeitung (harte und wasserresistente Edelhoelzer) oder in der Heilkunde (Saefte oder Rinde). Wir entdeckten den Wuergerfeigenbaum, der faehig ist, grosse Baeume zu Tode zu quetschen, und befuehlten die riesigen Dornen des Otuwerebaumes, die frueher zu Fingerringen von Stammeshaeuptlingen oder zu Stempeln verarbeitet wurden. Der Papageienbaum sondert eine klebrige Fluessigkeit ab, die das Gefieder der Voegel verklebt und sie damit fluguntauglich macht. Tiere – die meisten von ihnen sind nachtaktiv – konnten wir auf unserer Wanderung nicht entdecken. Aber mit Vergnuegen beobachteten wir Schmetterlinge mit ihren filigranen und farbigen Zeichnungen, die lustig vor unseren Augen vorbei flatterten oder sich fuer ein paar Sekunden auf Blaettern oder Steinen niederliessen.

Voellig durchgeschwitzt wegen der drueckenden Schwuele in diesem subtropischen Regenwald und zumindest ich zerbissen von uebergrossen Ameisen aber gluecklich und reich an neuen Eindruecken beendeten wir unser Kakum-Abenteuer.

Und morgen gibt es Strom – hoffentlich!!!

2nd Ghana Teil 1

Ghana 27. August – 26. September 2007

Teil 1 – Donnerstag, 30. August

Wir sind wieder in Ghana! Manfred hat den Auftrag, das im Maerz diesen Jahres begonnene Projekt an der Mfantsipim-School in Cape Coast weiterzufuehren mit dem Schwerpunkt Ausbildung der Lehrer und der Schueler. Wieder flogen wir mit Spannung, Freude und grossen Erwartungen unserem Ziel entgegen.

Zum Glueck hat uns Malte zum Flughafen gefahren, denn wir hatten enorm viel Gepaeck. Wir durften je 2 x 23 kg ohne Handgepaeck mitnehmen – ein grosser Fehler von Manfred, mir dies zu verraten! Ich nutzte das grenzenlos aus! Zu unserer Verteidigung muss ich sagen, dass Manfred einen ganzen Koffer mit Schulungsunterlagen und ich ebenso viele Geschenke fuer unsere neuen ganaischen Freunde eingepackt hatte.

Unsere Fluege verliefen angenehm, und puenktlich landeten wir auf dem Flughafen von Accra – und da war es wieder, dieses seltsam schoene kribbelige Gefuehl, angekommen zu sein!

Unser zweites Abenteuer GHANA konnte beginnen!

Es war dunkel und diesig, heiss und schwuel, und ehe uns Kofi Ribeiro, der Ass. Headmaster, umarmte und wortreich begruesste, lief uns der Schweiss den ganzen Koerper herunter. Auch das bedeutete: wir sind wieder angekommen!

Die 180 km lange Fahrt im Schulbus der Mfantsipim-School vom Flughafen nach Cape Coast begann kilometerweit im stop-and-go-Tempo, bei geoeffneten Fenstern, wobei Abgase und heftige Gerueche ins Innere unseres Busses stroemten und bei mir eine leichte Uebelkeit hervorriefen, unterstuetzt von dem Gerumpel ueber die staendigen Sleeping Policemen. Ein erster Austausch ueber die Neuigkeiten in der Schule verkuerzte die lange Fahrt, und als endlich “freie Fahrt” angesagt war, verfielen wir in einen leichten Schlaf. Die Kuestenstrasse war bis auf ein kleines Reststueck fertig gestellt, so dass wir gut und sicher unser Hotel Kokodo zu mitternaechtlicher Stunde erreichten. Wie lecker schmeckte uns da das erste gekuehlte Star-Bier auf der gemuetlichen Hotelterrasse!

Leider wachten wir am naechsten Morgen nicht frisch und munter auf, sondern kamen ziemlich angeschlagen an den Fruehstueckstisch geschlichen – wir sind eben nicht mehr die Juengsten. Aber bei der Ankunft in der Schule kamen unsere Geister blitzschnell wieder auf Hochtour: Ueberschwengliche Begruessung aller anwesenden Lehrer mit Haendeschuetteln und Umarmungen – und die Mitteilung, dass es keinen Strom und kein Internet gab!
Ich wiederhole: wir sind wieder angekommen!

Das bedeutete: Manfred konnte bereits am ersten Tag keinen Unterricht abhalten. So nahm er als erstes eine Inspektion der Computer Labs vor in Begleitung des neuen IT-Lehrers Salomon Afful, der gerade von einem dreijaehrigen Aufenthalt in den USA zurueckgekehrt war, Samuel, der diese Taetigkeit im Maerz innehatte und uns sehr ans Herz gewachsen war, und Ass. Headmaster Kofi Ribeiro.

An diesem Tag gab es zwei Dinge zu klaeren: erstens Internet, zweitens Strom.
Manfred, voller Tatendrang, organisierte sofort ein Treffen mit der IT-crew der Schule bei Telecom, und es stellte sich Erstaunliches heraus: Es war nicht die geklaute Internet-Leitung, die das Internet lahmlegte, (wie man uns von Seiten der Schule erklaerte), sondern die Leitung war von Telecom gekappt, weil die letzte Rechnung “versehentlich” nicht bezahlt wurde. Ein Problem geloest! Wir alle konnten uns das Lachen nicht verkneifen!

Angestachelt durch den ersten Erfolg bestand Manfred auf ein meeting mit dem Direktor der Electricity Organisation. Hier gibt es eine schwierige Sachlage wegen der Stromausfaelle.

Einer der Haupttransformatoren hatte zu viel Wasser in seinem Kuehlsystem, was zu einer Explosion fuehren kann. Als muss in einem langwierigen Prozess das Kuehloel von Wasser und Schlamm befreit werden. Aus diesem Grund gibt es rotierende Stromsperren in der Stadt. Die Mtantsipim School ist jeden zweiten Tag betroffen.

Ziel des meeting war, eine bessere Stromversorgung fuer die Schule zu erreichen. Das Ergebnis steht aus.

Der Stromausfall erwischte uns abends im Hotel. Ploetzlich war es wieder stockefinster um uns herum, nur langsam schaelten sich Umrisse aus dem Dunkel heraus, unsere Sinne wurden geschaerft, und wir vernahmen wieder verstaerkt die Geraeusche um uns herum – ein froehliches Vogelgezwitscher, ein lautes Grillengezirpe und die eintoenigen durchdringenden Rufe der Bushbabies, die uns bis tief in die Nacht hinein begleiteten.

Manfred hat einen neuen Sportsfreund – Salomon, sein neuer Assistant. Er hat ihn zum Joggen ueberredet – und tatsaechlich starteten die beiden am naechsten Morgen (also Mittwoch) um 6 Uhr zu ihrer ersten Runde. Nach Duschen, Tee und Fruehstuecksei fuehlte sich Manfred wie neu geboren und bereit zu neuen Taten!

Der erste Unterricht in der Schule konnte beginnen – mit Strom und 15 Lehrerinnen und Lehrern der Schule aus verschiedenen Fachrichtungen. Thema: Einfuehrung in Word Excell, Internet und Power Point. Bedingt durch die unterschiedlichen PC-Grundkenntnisse der Lehrer konnte Manfred das heutige Ziel seines Schulungsprogramms nicht ganz erreichen. Fazit: Der Weg ist das Ziel!

Heute – Donnerstag – wieder ein Tag ohne Strom. So nutzte Manfred die Zeit zur Erstellung von Plaenen fuer Reparatur und Wartung der Computer und regte eine Besprechung mit den Headmastern an mit den Punkten: Lösung der Stromversorgung, Anmietung eines Generators, Rekrutierung eines weiteren Lehrers fuer den IT-Unterricht und Verantwortung fuer die Wartung der Hardware in den Computer Labs.

Nach eines Tages Arbeit freuen wir uns auf unsere Teezeremonie um 5 Uhr nachmittags auf unserer luftigen Hotelterrasse, ergaenzt durch ein Glaeschen Whisky und ein Zigaerrchen, lassen den Tag Revue passieren und machen Plaene fuer den naechsten Tag.

Ghana Teil 11 letzter Beitrag

Teil 11 Ostersonntag 8. April 2007
 

Unser Abendteuer Ghana ist beendet – wir sind wieder zuhause! Zu unserer groessten Ueberraschung und Freude haben uns Malte und Helene vom Flughafen abgeholt und nach Hause gefahren. Dort erwartete uns ein festlich gedeckter Ostertisch mit leuchtend gelben Narzissen, bunten Ostereiern, die wir ja mit Essig und Oel, Salz, Pfeffer und Senf schluerfen, Schokoladeneiern und
–hasen, Schinken und Kaese (lange entbehrt!), frischen Broetchen, duftendem Kaffee und Tee ….. wie schoen ist doch das Heimkommen!!!!
Die naechste Ueberraschung folgte sogleich – auch Julia und Oli sind aus Heidelberg zur Begruessung der lieben Eltern angereist – Julia mit dem Zug und einem frisch gebackenen Osterbrot im Gepaeck – Oli per Fahrrad – er brauchte vier Stunden und hatte maechtig mit Gegenwind zu kaempfen. Auf diesem Wege sagen wir Malte und Helene, Julia und Oli nochmals ein ganz dickes Dankeschoen fuer den liebevollen Empfang!
 

Hiermit endet unser Ghana-Tagebuch. Allen, die in der Zeit an uns gedacht, uns geschrieben und gemailt haben, sagen wir ganz herzlichen Dank!

Ghana Teil 8-10

Teil 8 Mittwoch 4. April 2007
 Nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen haben wir es heute endlich geschafft, wieder ins Internet zu kommen – da verliere selbst ich die Geduld, vor allem, weil gerade, als ich meine mails abholen und abschicken wollte, wieder das Internet zusammenbrach – zum Glueck nur fuer kurze Zeit!
 

Montag mussten Manfreds Laborwerte im Hospital kontrolliert werden – ganz frueh war vereinbart – aber unser Fahrer kam nicht. Hatten wir uns missverstanden? Hatten wir uns vielleicht im Hospital verabredet? Also marschierten wir hinunter zur Strasse, um ein Taxi zu nehmen, als der Schulbus um die Ecke bog – es hat gerade noch geklappt!
 Die Blutabnahme war schnell erledigt, das Warten auf die Krankenakte dauerte ewig, ebenso das Warten auf die Behandlung. Alle Gaenge des Hospitals waren ueberfuellt mit wartenden Kranken, Muetter mit ihren auf den Ruecken gebundenen Kindern, muede Alte, die quer auf den Stuehlen lagen und schliefen, ein junges Maedchen mit blutig verbundenem Ohr, eine gehbehinderte Frau, von ihrem Sohn gestuetzt, viele Schwangere, Frauen, die sich kannten und munter miteinander schwaetzten, vorbeieilende adrett gekleidete Krankenschwestern, Aezte an ihren blauen Hemden und khakifarbenen Hosen zu erkennen und mitten drin Manfred und ich, beobachtend, staunend, wartend. Es gab keine Hektik, keinen Unmut, keine Unruhe, unglaublich!
 

Die Wunde war gut verheilt, musste aber dennoch wieder abgedeckt werden, um die blutruenstigen Insekten und Fliegen abzuhalten. Und was entdeckte ich spaeter in Manfreds Tasche? Die Krankenakte aus dem Hospital! Er hatte sie einfach eingesteckt, um beim naechsten Termin zum Faedenziehen nicht wieder so viel Zeit mit Warten zu verlieren!
 Zu unserer grossen Freude trafen wir Mr. Brown mit dem Headmaster zusammen auf dem Campus an. Da hatte doch jemand die Hand im Spiel und Mr. Brown auf Faehrte gesetzt, um wieder einmal in den Gang des Geschehens einzugreifen! Nach einer langen Unterredung mit Manfred flitzten auf einmal alle Handwerker in den Computerraeumen herum – es war wie ein Wunder, die Raeder liefen diesmal nicht langsam an, sondern sie liefen auf Hochtouren.
 

Der Eifer hat sich blitzartig auch auf Manfred und seine helfenden Schueler uebertragen. Das Resultat des Tages: bis auf zwei waren alle Computer des zweiten Computerraumes betriebsbereit.
 Doch am naechsten Tag begann wieder das Achterbahnfahren. Der Strom fiel aus, die Arbeiten konnten nicht fortgesetzt werden. Manfred musste wieder ein paar Unterrichtsstunden aus dem Aermel schuetteln und konnte in der stromfreien Zeit Vorbereitungen fuer den dritten Computerraum treffen.
 

Die ersten Gardinen wurden angeliefert, doch, o Schreck, sie waren ein Stueck zu kurz. Zum Glueck waren es ja nur zwei Probegardinen!
 Auch das musste sein: ausmisten, aufraeumen, sortieren, nicht brauchbare Computer ausschlachten, Lager fuer Ersatzteile einrichten. . . .
 

Zwei Tage bleiben noch fuer die restlichen Arbeiten – werden wir es schaffen?
 Und wie sieht es auf Manfreds Hinterkopf aus? Die Faeden wurden gezogen, jedoch nicht im Hospital, sondern im Privathaus vom Ass. Headmaster Blankson. Seine Frau, MTA, hat Manfred fachmaennisch versorgt – das Entwenden der Hospitalkrankenakte war also ganz umsonst! Er kann sie jetzt als Souvenir mit nach Hause nehmen.
 

Noch kurz zum Wetter: Schon morgens ist es schwuel, mittags oft unertraeglich heiss, abends oder nachts treten oft schwere Regenfaelle und Gewitter auf, die aber die Luft reinigen, und wir koennen uns wieder erholen.
 

Teil 9 Donnerstag 5. April 2007
 Es war der emsigste, laengste und schweisstreibendste Arbeitstag der letzten Wochen. Es war etwas von Panik zu spueren – schliesslich blieben nur noch zwei Tage bis zu unserer Abreise! Die Handwerker haben endlich ihre Arbeiten im dritten Computerraum beendet – bis auf das noch zu legende Linoleum. Und waehrend Manfred mit Hilfe seines persoenlichen Assistenden Samuel die Computer in der Bibliothek, im Sekretariat und in Headmasters Office verkabelte und vernetzte – mir schien, dass er an allen Stellen gleichzeitg war – installierten die Schueler Rechner, Bildschirme und Tastaturen in diesem letzten Raum. Ich habe es nicht fuer moeglich gehalten, dass das alles heute klappen wuerde!
 

Ich selbst war wieder mit „meinen“ Gardinen beschaeftigt, beaufsichtigte das Anbringen der Gardinenstangen und das Aufhaengen der Stores. Kein Problem? Hier schon – alles wurde handgefertigt und einzeln angepasst – die Arbeiter trampelten auf den gesaeuberten Computertischen herum und schleiften die neuen schoenen blauen Gardinen auf der Erde entlang. Das konnte ich mit meiner mir eigenen Pingeligkeit doch nicht durchgehen lassen!
 Sehr spaet und ganz erschossen aber total gluecklich kehrte Manfred heute abend heim – es war geschafft – morgen kann noch Feinarbeit geleistet werden. Stolz war er auf das Kompliment von Samuel als er meinte, dass das, was Manfred in diesen vier Wochen geschafft hat, die Schule nicht in fuenf Jahren schaffen wuerde. Das Sahnehaeupchen am Abend war ein Glas alter Whisky aus dem Privatkeller unseres Hotelbesitzers.
 

Teil 10 Freitag 6. April 2007
 

Dies ist die letzte Tagebucheintragung, die ich in Ghana in den Blog setze – von unserer hoffentlichen gluecklichen Heimkehr werde ich dann von zuhause aus berichten.
 Immer noch zutiefst erfuellt von den Vorgaengen der letzten Stunden, sitze ich vor dem Laptop und weiss gar nicht, wo ich beginnen soll. Wir wussten, dass die Computerraeume heute uebergeben werden sollten – wir haben uns deshalb richtig „fein“ gemacht, - aber wir ahnten nicht, was uns bevorstand. Beim Eintreten in die Assembly Hall stockte uns der Atem. Die ganze Halle war voll von ca. tausend  Schuelern in weisser Sonntagskleidung mit einem bunt bedruckten ueber die Schulter geworfenen Schal, und unter tosendem Beifall wurden wir auf unsere Plaetze in der ersten Reihe geleitet. Mr. Ribeiro, der Ass. Headmaster, hielt eine zuendende Rede auf Mr. and Mrs. Hambrock, und wir beide mussten auf die Buehne treten – wieder Riesenbeifall. Wie erwartet, musste Manfred eine Rede halten, in der er einen Abriss ueber seine Taetigkeit, den Erfolg und die Weiterfuehrung des Projekts gab. Brav dankte er allen hilfreichen Geistern, versaeumte aber auch nicht, auf einige Unzulaenglichkeiten hinzuweisen, was mit Schmunzeln bis Gelaechter quittiert wurde. Und dann kam die grosse Ueberraschung: eine Trommlergruppe trat auf und Schueler der Schule tanzten und sangen in einem mitreissenden afrikanischen Rhytmus dazu. Wir waren tief geruehrt und fuehlten uns sehr geehrt.
 

In einer grossen Prozession ging es in den groessten der drei Computerraeume. Hier – in einer kleineren Runde – sprach uns der Headmaster seinen Dank aus, begleitet vom unentwegten Trommeln vor dem Gebaeude. Natuerlich fehlte auch Mr. Brown nicht in diesem Rahmen, der in seiner netten kleinen Rede auch die Gruesse von Dr. Dei Anang aus Mainz ueberbrachte. Ganz feierlich wurde es dann bei der Segnung und dem Gebet des Bischofs der Methodistischen Gemeinde. Manfred ueberreichte seine gerahmten Zertifikate, unermuedliches Haendeschuetteln, Danksagungen ….. Man begutachtete noch die beiden anderen Computerraeume und fand sich dann in Headmasters Office zum Prosecco und Snack ein.
  Wichtig war fuer Manfred die anschliessende Abschlussbesprechung mit dem Headmaster, Mr. Brown und einem weiteren Old Boy. Es ging um die Konkretisierung des Internet-Anschlusses (morgen kurz vor unserem Abflug findet noch ein meeting dazu in Accra statt), eine Ausbildung der Lehrer in Hard- und Software durch Manfred, moeglichst noch in diesem Jahr, und um die Fertigstellung des seit vielen Jahren brachliegenden Gebaeudes fuer die neue Bibliothek und die Computerraeume.
 Fuer Manfred und mich heisst das, dass uns noch weitere Aufenthalte in Ghana bevorstehen. Heute jedoch freuen wir uns, dass wir morgen nach Hause fahren – aber wir kommen – trotz vieler Unzulaenglichkeiten - gern wieder. Wir haben so viel Gastfreundschaft und Zuvorkommenheit erfahren, sind so reich beschenkt worden – das macht uns die Rueckkehr leicht!

Ghana Teil 7

Teil 7 Sonntag 1. April 2007
 

Wieder haben uns viele Nachrichten aus Deutschland erreicht, die wir immer mit freudigem Herzen empfangen. So wie ich die Tagebucheintragungen an ALLE schicke, so sagen wir auch auf diesem Wege ALLEN einen heissen Dank, die uns geschrieben haben.
 

Donnerstagmorgen ging es erst einmal wieder ins Hospital zur Blutabnahme, eine Roentgenaufnahme hat Manfred abgelehnt, mittags zur Besprechung und zum Verbandwechsel – die Wunde sah gut aus, das Pflaster wurde schon etwas kleiner zugeschnitten – dennoch, der Cape-Coast-Hair-Cut ist Aufsehen erregend! Zwischendurch schnell ein paar Handgriffe im Computer Lab, eine Besprechung mit Telecom und ins Internet – ein  zerrissener Tag!
 

Und ich lag flach, hatte einen regelrechten Ghana-Koller oder Hitze-Koller  oder Sonstwas-Koller – nur noch trinken, nichts essen - nur noch muede, nur noch schlafen. . . . Das half. Am naechsten Morgen war ich wieder fit!
 

Freitag fiel der Unterricht aus. Ein Lehrer der Schule war im Januar mit 57 Jahren gestorben. Heute fand die Trauerfeier statt. Waehrend Manfred mit seinem Assistenten weiter am Netzwerk arbeitete, hatte ich Gelegenheit, der dreistuendigen Zeremonie beizuwohnen. Die Trauergemeinde war in Schwarz mit Rot gekleidet oder in hiesiger Tracht, die Gebauede waren mit schwarz-roten Plastikrosetten geschmueckt, der Paradeplatz bestuhlt und ueberdacht. Der Sarg wurde von den Kadetten der Mfantsipim School hereingetragen, begleitet von tragender Musik des Regimental Blasorchesters, auch alles Schueler. Ein Weinen und Schluchzen ging durch die Reihen der etwa 2000 Trauernden und den 1500 Schuelern. In den Ansprachen erfuhr man vom Leben des engagierten und beliebten Lehrers, leise begleitet von einem Floetenkreis. Die Reden der Witwe und deren Kinder gingen in Weinen ueber. Dann wieder erfrischend belebende Gesaenge des Chores, von den Posaunen und Trompeten kamen zackige Marschmelodien, und eine afrikanische Trommlergruppe brachte Bewegung in die Trauergemeinde, Freude und Trauer zu gleicher Zeit.
 

Das Abschiednehmen ging zu Herzen. Der obere Teil des Sargdeckels war aufgeklappt, so dass man den Toten durch eine Glasscheibe betrachten konnte. Alle Anwesenden – zum Schluss auch die Schueler, gingen zum letzten Gruss in langen Schlagen um den Sarg herum, weinend, klagend, Haende verzweifelt zum Himmel hebend, taenzelnd, trauernd.
 

Mit „militaerischen Ehren“ und flotter Marschmusik endete die Zeremonie. Es folgte der Weg in das Heimatdorf des verstorbenen Lehrers, wo am naechsten Tag nochmals eine grosse Trauerfeier und unter grosser Teilnahme der Mfantsipim School stattfand. 
 

Bei so einem ausserordentlichen Ereignis trifft man interessante Menschen. So wurden wir dem Bischof der Methodistischen Kirche vorgestellt, und Manfred hatte Gelegenheit, dem Minister fuer das Schulwesen in Ghana Vorschlaege zur Einfuehrung von Internet in den Schulen vorzutragen. Die netteste Begegnung war jedoch mit Mr. Brown, der uns bei unserer Ankunft in Cape Coast so freundlich empfangen hatte. Er war von Dr. Dei Anang, ueber den Blog von Manfreds Unfall informiert, beauftragt worden, nach dem Rechten zu sehen. Man sieht, wir sind in guten Haenden, man passt auf uns auf! Der Draht von Cape Coast nach Mainz und zurueck funktioniert schneller als die Verbindung vom Sekretariat zur Bibliothek hier vor Ort!!!
 

Samstag waren also alle Lehrer wegen der Beerdigung ausser Haus – wir hatten frei. Das heisst aber nicht, dass wir ausschlafen konnten. Wegen der Hitze sind wir frueh wie immer aufgestanden, nahmen auf der noch luftigen Veranda unser Fruehstueck ein und hatten einen regen Gedankenaustausch mit amerikanischen Backpack-Reisenden, mit Jeff, dem Inhaber des Kokodo, und Miriam, seiner Lebensgefaehrtin, beide versiert in allen Lebenslagen und –fragen in Ghana, hoch interessant. Erst am spaeten Vormittag sind wir gemuetlich durch die lebhaften Strassen von Cape Coast gezogen, Manfred steckte seinen Kopf in jede Bude, die nach Werkzeug oder Elektrozubehoer aussah oder nach Eisen roch, ich war auf der Suche nach ein paar huebschen Souvenirs. Doch die Hitze wurde so heftig, die Sonne so grell, der Gestank aus den Strassengraeben so unertraeglich, dass es nur noch das Ziel gab, so schnell wie moeglich an den Strand und die kuehle Seeluft zu kommen. Und da blieben wir in einer Strandoase einfach hocken, stundenlang ….. das tat gut! Zum Lunch waehlten wir natuerlich eine Fischplatte mit gegrilltem Tintenfisch und Lobster satt – einfach koestlich!
 

Abends im Kokodo erhielten wir eine lange Lektion ueber das Essen und deren Zubereitung und Gewohnheiten in Ghana. Eine neue Herausforderung fuer Manfred!
 

Dieser samstaegliche Ruhetag spornte zu neuen Aktivitaeten an. Manfred ist gluecklich, strahlende Gesichter bei seinen beiden Assistenten, die ihm am heutigen Sonntag zur Hand gehen: Der erste Computerraum ist fix und fertig vernetzt und verkabelt – fehlt nur der Champagner, um dieses Ereignis zu begiessen!
 

 

Eigentlich sollten die folgenden Saetze am Anfang der Tagebucheintragungen stehen, aber ich komme erst jetzt dazu, sie einzufuegen.
 

 

Ueber GHANA
 

Am 6. Maerz 1957 bekam die britische Goldkueste als erste afrikanische Kolonie suedlich der Sahara die Unabhaengigkeit zugesprochen. Das Land wurde in GHANA umgenannt. Der Optimismus war gross: “Lieber Selbstverwaltung mit Gefahr als Knechtschaft in Ruhe“ oder: “Wir ziehen die Armut in Freiheit dem Reichtum der Sklaverei vor.“
 

Am 6. Maerz 2007 fand die 50-Jahr-Feier statt. Das ganze Land leuchtete in den Farben der Nationalflagge:
Der erste Streifen in der dunkelroten Farbe des Blutes symbolisiert die Opfer der Vorfahren, die ihr Leben fuer die Freiheit gegeben haben. Der zweite goldgelbe Streifen steht fuer das Gold, nach dem Kolonialnamen Goldkueste, jenes Gold, das die Kolonialisten ins Land lockte und die Bewohner zu Sklaverei und Kolonialismus verdammte. Der dritte Streifen symbolisiert das Dunkelgruen der dichten Regenwaelder. Und fuer den schwarzen Stern in der Mitte gibt es die Erklaerung, dass er die Flagge noch vollkommener erscheinen laesst.
 

Die Amtssprache ist Englisch. Die wichtigste Sprache in Ghana bleibt Akan mit ,seinen verschiedenen Dialekten (hier Fanti). Aber es wird auch „Pidgin-English“ gesprochen – ein ungrammatisches Englisch, das mit lokalen Woertern gespickt ist.
 

 

Ueber Mfantsipim School
 

Das Motto dieser Schule lautet: DWEN HWE KAN - Think and go ahead.
 

Diese Secondary School ist eine der angesehendsten Schulen Ghanas, eine reine Jungenschule, 1876 gegruendet .
 
Zur Zeit besuchen 1500 Jungen ab einem Alter von 15 Jahren fuer drei Jahre die Schule. Die Schulzeit wird demnaechst auf vier Jahre erhoeht. 80 % der Schulabgaenger wechseln zum Studuium auf die Universitaet.
Es unterrichten 85 Lehrer an der Schule, 8 davon sind Lehrerinnen.
Die Schulordnung ist sehr streng, die Schueler sind ausserordentlich diszipliniert.
 

Die Schulleitung haelt engen Kontakt zu den ehemaligen Schuelern, den Old Boys, die zum Teil wichtige Positionen in Politik, Wirtschaft,  in den Ministerien, im Gesundheits- und Bildungswesen innehaben. Viele Projekte in der Schule werden von diesen Old Boys unterstuetzt. Zwei wichtige Old Boys seien hier genannt: Dr. Kwesi Dei Anang, Chef der Schmerzklinik in Mainz und Initiator des Computer-Projekts fuer die Mfantsipim School, und der ehemalige Generalsekretaer der UN, Kofi Anan.

Ghana Teil 6

Teil 6 Mittwoch 28. Maerz 2007
 

Nass werden wir hier immer, entweder durch die Hitze oder durch den Regen. Montag gab es ein stuermisches Unwetter, der Regen peitschte ueber Daecher und Wege, Blitz und Donner liessen uns zusammenschrecken, Tueren und Fenster klapperten, weil sie nicht rechtzeitg geschlossen werden konnten. Alles rannte, aber man wurde trotzdem plitschenass – und wir auch! Und durch die zusaetzliche Feuchtigkeit haben sich meine kurzgeschnittenen Haare zu kleinen Loeckchen zusammengekringelt. Nur meine Hautfarbe unterscheidet mich jetztvon den hiesigen Frauen!
 
Die Arbeit in den Computer Labs ging natuerlich weiter. Der Schock am Montagmorgen: das Netzwerk war zusammengebrochen, und die Mitarbeiter standen ratlos davor. Hier musste Manfred sein Wissen einbringen und Abhilfe schaffen – es gelang! Danach begann das grosse Einrichten. Aus einem zusammengewuerfelten Computerraum mussten zwei Computerklassen eingerichtet werden. Das war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, da die vorhandene Netzwerkverkabelung nicht funktionierte. Muehsam mussten die einzelnen Anschluesse verifiziert und bezeichnet werden. Die Stromkabel waren nicht vertraegllich mit den englischen Steckdosen, aber es fehlte an den entsprechenden Steckern. Mit Unterstuetzung der eifrigen und wissbegierigen schoolboys wurden 30 Stromkabel auf englilsche Stecker umgeruestet, die vorhandenen Netzwerkverbindungen geprueft und bezeichnet und neue Patchkabel konfiguriert. Manfreds 100 Netzwerkstecker waren im Nu aufgebraucht. Und jetzt wird auf neue Stecker gewartet, was wiederum mit Schwierigkeiten verbunden ist.
 

Frustierend war, dass weder die Einzelteile fuer die elektrische Installation noch die Gardinen gekauft werden konnten. Man hatte dem Headmaster die Unterlagen nicht rechtzeitig zur Genehmigung vorgelegt. Und nun befand er sich in Accra – wieder ein Tag verloren, wieder warten. Die Elektriker haben ihre Zusage, die Verbindungsleitungen zum Sekretariat und zur Bibliothek zu legen nicht eingehalten – Grund: sie hatten keine Leiter! Ja, und wo blieben die Maler wieder? Manfreds Geduld wurde auf die Zerreissprobe gestellt – die Zeit laeuft davon!
 

So schnappte er sich kurzentschlossen seine Tasche und marschierte zu den beiden Ass. Headmaster und hat seinem Aerger und seiner Enttaeuschung Luft gemacht.  Und siehe da, die Raeder laufen wieder an – aber langsam.
 

Ich wurde mit einem riesigen Packen Geldscheinen (ca. 10 cm hoch) ausgestattet und mit der Sekretaerin in die Stadt geschickt, um die Gardinen zu kaufen, 100 yard fuer 2.500.000 Cedis. Die Stoffballen haben wir gleich in der Naeherei abgegeben und hoffen, noch bis Ende der Woche eine Probegardine begutachten zu koennen.
 

Inzwischen haben die Renovierungsarbeiten fuer die dritte Computerklasse begonnen – es geschehen noch Zeichen und Wunder.
 

Doch dann gab es eine unerwartete Unterbrechung. Manfred ist gestuerzt und so ungluecklich hingefallen, dass er sich eine Platzwunde am Hinterkopf zugezogen hat. Grosse Aufregung! Im Affenzahn gings ins Hospital, wo er sehr schnell versorgt wurde (Haare abrasiert, Betaeubungsspritze gesetzt, genaeht). Morgen muss er noch ins Labor und zum Roentgen. Von hinten sieht er ganz schoen putzig aus, aber der Arzt meinte, das waere jetzt der neueste Cape-Coast-Haarschnitt! Manfred geht es inzwischen schon wieder recht gut, und morgen geht die Arbeit weiter.

Ghana Teil 4+5

Teil 4 Samstag 24. Maerz 2007
 Heute beginne ich mit einem dicken Dankeschoen an alle, die uns mails und Kommentare geschickt haben – das fuehlt sich an wie Sonntag mit Schokoladenpudding! Und es ermuntert mich, weiter an dem Tagebuch zu schreiben.
 

Es bleibt nur die Mitteilung ueber Internet (skypen ist nicht moeglich!) – aber das ist oft mit grossen Schwierigkeiten verbunden. „The link is down“ – ein Satz beim Eintreffen im Internetcafé, der oefter faellt als anders herum. Tief traurig (weil wir euch wieder keine Tagebucheintragungen schicken koennen), aber auch zornig zockeln wir dann davon, verschwitzt und muede von des Tages Arbeit, rufen ein Taxi, versuchen dem Taxifahrer klar zu machen, wo unser Hotel liegt. Meistens klappt es, aber wir sind auch schon am anderen Ende der Stadt gelandet – es schien hoffnungslos – aber irgendwie und irgendwann klappt hier ja alles, wenn wir auch den doppelten Preis zahlen mussten.
 Wir sind hier zu Beginn der Regenzeit eingetroffen, gekoppelt mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen – 30° aufwaerts. Nachts reissen uns heftige Regenschauer, manchmal auch Gewitter aus dem Schlaf, tagsueber scheint sie Sonne (bis auf die eine Ausnahme, von der ich schon berichtete). Angenehm ist der staendig leichte Wind, der vom Meer aus herueberweht. Dennoch sind wir staendig verschwitzt, und es gibt nichts Schoeneres, als am Abend unter der kalten Dusche zu stehen, immer hoffend, dass der schwache Wasserstrahl nicht versiegt. Heute morgen gab es auf der Toilette kein Wasser. Fuer solche Zwecke steht ein Plastikeimer bereit – aber der hat ein Loch am Boden, und ich denke dabei an das Lied: „Wenn der Topf aber nun ein Loch hat, lieber Heinrich …“.
 

Fuehstueck und Lunch nehmen wir in der Schule ein, nicht zusammen mit den Jungs in der Mensa, sondern in einem kleinen Zimmerchen hinter dem Buero des Assistenten des Headmasters, durch einen gebluemten Vorhang abgetrennt, in einer winzig kleinen Ecke, neben uns der Kuehlschrank, hinter uns die Toilette und um uns herum Kisten mit Papier, Wasserbeuteln, Schulbuechern ….. Der Tisch ist immer liebevoll gedeckt. Zum Fruehstueck gibt es Tee und Fruchtsaft, Porridge, den Manfred mit viel knirschendem Zucker und gern isst, ich nehme ein paar Loeffelchen, natuerlich ohne Zucker, und dazu gibt es ein paar Scheiben Weissbrot. Manchmal bekommen wir zu meiner groessten Freude ein gekochtes Ei oder ein Omelett, manchmal mit feingeschnittenem Gemuese gefuellte „Kuechlein“ aus festem Teig. Abwechslung gibt es jeden Tag. Auch unseren Lunch nehmen wir in unserem Kabaeuschen ein – und der war immer lecker: Gemuesesuppen mit Fleisch und Fisch, Reis mit Bohnen und Fisch, Nudeln mit Gemuese, Jambowles mit Huehnchen, und dazu immer eine leckere ueberaus scharfe Sauce, denn fuer Ghanaer ist ein Essen ohne Pfeffer kein gutes Essen (zum Glueck sind Manfred und ich von Haus aus an scharfes Essen gewoehnt, trotzdem muessen wir manchmal die Luft anhalten!). Scherzhaft sagen die Ghanaer, dass sie aus einem Land kommen, wo der Pfeffer waechst oder dass sie Pfefferfresser seien.
 Abends essen wir immer in unserem Hotel auf der Veranda oder an einem der Tische im Garten. Auch hier geniessen wir scharfe Suppen, die beruehmte Ghana Soup mit einem ganzen Fisch darin, Khebab aus Rindfleisch mit Zwiebeln, Scampis oder Oktopus mit Gemuese und Reis, dazu auch hier die gut zubereitete scharfe Sauce. Die Portionen sind so gross, dass wir dazu uebergegangen sind, nur ein Gericht zu bestellen, das wir aber auch nicht ganz schaffen.
 

Eines fehlt Manfred jedoch sehr am Nachmittag: eine richtig gute Tasse Kaffe mit einem leckeren Stueck Kuchen. Ueberhaupt fehlen ihm die Suessigkeiten hier, aber ich sollte ja nichts von zuhause mitnehmen!
 Freitag war ein ueberaus emsiger Tag. Manfred hat an allen Ecken und Enden Dampf gemacht, flitzte von der Bibliothek zum Sekretariat, vom Computer Lab zum zusaetzlich zugesagten Klassenraum fuer eine dritte Computerklasse, trat den Elektrikern und Malern auf die Fuesse, suchte seinen ersten Assistenten, der die Gabe hat, sich immer wieder heimlich zu verdruecken, und bat schliesslich den Ass. Headmaster, mit allem Nachdruck, die Arbeiter zum sofortigen und schnellen Durchfuehren der fehlenden Arbeiten anzuhalten. Ich glaube, heute hat sich Manfred richtig unbeliebt gemacht mit seinem Eifer!!!
Die groesste Aktion war, das Sekretariat, das mit einem Computer ausgeruestet werden soll, zu „entkernen“. Es war vollgestopft bis unter die Decke und die kleineste Ecke. Manfred hatte kein Erbarmen – alles musste ausgeraeumt und entfernt werden. Dabei wurde eine Tuer freigeraeumt, hinter der es genauso vollgestopft aussah. Auch hier machte Manfred nach Absprache kurzen Prozess. Ein Lehrer hatte inzwischen diesen kleinen Raum entdeckt, hat sich gleich einen Tisch und ein Telefon hineingestellt und hoffte, dort ein ruhigen Plaetzchen zum Arbeiten gefunden zu haben. Dieser Traum war nur von kurzer Dauer.
 

Doreen und ich haben genaue Abmessungen fuer die Gardinen und Gardinenhalterungen festgehalten. Am Montag soll der Stoff, den wir bereits ausgesucht haben, gekauft und genaeht werden. Ich bin gespannt, ob noch alles bis zu unserer Arbeise fertig sein wird – wir haben ja schon fast Halbzeit!
 Am Nachmittag wurde es ruhiger – und Manfred auch. Mit ein paar interessierten Schuelern wurden bis Samstagmittag Netzwerkkabel konfiguriert, und die Netzwerkverdrahtung wurde vollendet. Dazu brauchte man zum Glueck keinen Strom, der seit dem fruehen Morgen ausgefallen war. Es war eine Energiesparmassnahme, weil das Wasser am Staudamm betraechtlich gesunken war.
 

Buntes Leben und Treiben war heute am dem Campus zu beobachten. Die Eltern eines Schuelerjahrgangs waren mit der Pupil and Teacher Association zu einem Treffen mit der Schulleitung und den Schuelervertretern eingeladen. Mein Vergnuegen dabei war, die ueberaus bunten Kleider und kunstvoll geschlungenen Tuecher der Muetter und die aparten weiten Hemden der Vaeter zu bewundern.
 Und wir freuten uns auf den freien Samstagnachmittag, den wir ganz in Ruhe in unserem Hotel verbringen wollten. Aber wie macht man das aber, wenn der Fernseher in der Lounge auf vollste Lautstaerke eingestellt ist, das Radio die ganze Umgebung beschallt und die Musik und der Gesang von der Schule am gegenueberliegenden Huegel an unsere Ohren dringt? Als erstes dreht man (sprich Manfred) den Fernseher leiser, dann dreht man die Boxen im Garten um – und dann zieht man einfach die Stecker raus – welch himmlische Ruhe! Das Wochenende kann beginnen.
 

Teil 5 Montag 26. Maerz 2007
 

Ganz grosser Bahnhof am Sonntagmorgen: Wir wurden zu einem Ausflug abgeholt – und der halbe Schulbus war schon besetzt:
Mr. Jonathan Blankson, Assistant Headmaster, mit seiner Frau Winnefred, Tochter Baaba und Sohn Kojo, Mr. Kofi Ribeiro (von dem schon viel die Rede war), ebenfalls Assistant Headmaster, mit seiner Frau Priscilla, Sohn David Ato und Tochter Ayikorkor Budy Acquah, und natuerlich Doreen, die ja auch schon bekannt sein duerfte. Ich entdeckte Picknickkoerbe undKuehlboxen, auch wir waren mit Sandwiches und Wasser bewaffnet. Es gab ein grosses Hallo – und auf gings ins Vernuegen.
 Ziel war wieder ein Beach Resort an der Atlantikkueste, der kleine Ort Busua, gut zwei Autostunden von Cape Coast entfernt. Lansgam schaelten wir uns aus der Stadt heraus, aufgehalten durch etliche Ampeln. Hier nutzen Kinder und Erwachsene die Wartezeit, um in den Abgasen und im Gestank der Autos Fruechte, Wasser, Taschentuecher, Lobster, Brot, Nuesse oder Fisch zu verkaufen – alles gekonnt auf dem Kopf balancierend. Die Fahrt ging an Strassenlaeden, Werkstaetten und Tankstellen vorbei, am Rand der Stadt an riesigen Siedlungen mit kleinen quadratischen Unterkuenften, teils aus Stein, teils aus Lehm gebaut, teils mit Ziegeln, Stroh oder Wellblech abgedeckt. Dazwischen ein Gewimmel von Menschen, Waesche waschend, Essen kochend, auf Matten ausruhend und immer wieder an jedem freien Platz Fussball spielende Jungen und kleine Maedchen in Rueschenkleidchen, nicht zu vergessen die Huehner und Ziegen, die auf dem roten Sandstein herumscharrten. Langsam wechselte die Landschaft in ueppiges Gruen der Kokos- und Dattelpalmen und Bananenstauden und des Buschwaldes, immer wieder unterbrochen von kleinen Doerfern, die zum Teil einen sehr aermlichen Eindruck machten, und immer wieder Menschen, die ihre Ware am Strassenrand anboten – und immer wieder gestoert und aufgeruettelt durch die Sleeping Policemen (Bodenwellen) und aufgehalten durch Polizeikontrollen.
 

Busua erreichten wir auf einer schmalen Strasse, zu Anfang geteert, spaeter roter Sandstein. Unser Fahrer lenkte den Bus gekonnt durch Schlagloecher und andere Unebenheiten. Das Dorf liegt idyllisch in einer Bucht, die von bunten Fischerbooten uebersaet ist, lebt also vom Fischfang, aber auch zunehmend vom Tourismus. Der traumhaft schoene kilometerlange Strand mit Blick auf eine kleine vorgelagerte Insel und das sanfte Meer zieht immer mehr Erholungssuchende an.
 Ein weiteres Fischerdorf – das vertraeumte Butre – fanden wir nach einer halbstuendigen Fahrt auf abendteuerlichem Weg. Hoch auf dem Berg ueber Butre steht eine Burg, von Deutschen erbaut (was die Deutschen zur Wahl ihres Standortes bewog, bleibt unklar), heute eine Ruine mit einer gut erhaltenen Substanz. Wir haben sie natuerlich erstuermt! Der Blick von oben auf die Bucht, den Strand und das Meer war einmalig schoen.
 

Wir kehrten nach Busua zurueck, um in der gross angelegten Ferienanlage die naechsten Stunden zu verbringen, aber …..
Manfred und ich waren die einzigen der Erwachsenen, die sich mit Handtuch und Badeanzug, Buch, Sudoku, Kniffel und iPod auf „Strandleben“ eingestellt hatten. Bei Einsteigen morgens in den Bus wurden wir schon beaeugt, als wir mit unserer Badetasche ankamen, Manfred dazu noch in Bermudas. Alle anderen Ausfluegler waren sonntaeglich bekleidet. Und zu allem Kummer durften wir in dieser Anlage unser mitgebrachtes Essen und Trinken nicht auspacken. Wir mussten also „Essen gehen“, selbst fuer unsere Gastgeber eine Ueberraschung! So verbrachten wir also recht gesellige und unterhaltsame Stunden am Beach, wir beide immer sehnsuechtig in die Wellen, an den Strand und zu den  Liegestuehle blinzelnd – alles war so verlockend nah und doch nicht erreichbar. Man kann nicht schwimmen und man geht nicht schwimmen, wurde uns lachend erklaert. Nur die Kinder plantschen gluecklich und ausgelassen im hauseigenen Pool herum.
 Manfred entdeckte im Reisefuehrer Kosa, ein Beach Resort, geleitet von einer Deutschen, die mit einem Ganaer verheiratet ist. Und das Wichtige an diesem Cultural Centre ist, dass hier Unterricht und  workshops fuer Trommeln, Tanz und Gesang angeboten wird. Man kann sich vorstellen, dass es Manfred mit seiner Liebe zu Trommeln durchgesetzt hat, auf der Rueckfahrt einen Abstecher nach Kosa zu machen. Leider wurden wir dort nicht mit Trommeln, Tanz und Gesang erwartet – man muss sich vorher anmelden. Aber unsere Gastgeber wollen versuchen, einen Abend in der Aula der Schule zu veranstalten.